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23.2.2012 : 13:26 : +0100

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2012 Februar - Josef Ettenhuber

Zwei Jahre war Josef Ettenhuber alt, als sich sein Vater 1969 selbstständig machte und mit einem Bus ein Unternehmen in Glonn bei München gründete. Die Kindheit verbrachten er und seine Brüder Wolfgang und Michael im Betrieb und wuchsen mit der sich entwickelnden Firma heran. „Nach den Weihnachtsferien durften wir den Motor anlassen und Gas geben, damit der Startpilot in die Luftfilter gesprüht werden konnte und die Busse vor dem ersten Schultag winterfit wurden“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer. Weniger Spaß machte es den Buben, wenn an den Feiertagen Kundenadressen von den Kar-
teikarten handschriftlich auf
Kuverts übertragen und Brief-
marken geklebt werden mus-
sten, damit der Reisekatalog rechtzeitig versandt werden konnte. „Einmal haben wir an Silvester unsere Eltern im Stich gelassen und sie klebten die ganze Nacht hindurch selbst Porto.“

 

Josef Ettenhuber
Josef Ettenhuber

 

120 Seiten starker Reisekatalog

 

Mittlerweile gehen in der ersten Dezemberwoche um die 30.000 Exemplare des über 120 Seiten dicken Kataloges an die reiselustige Kundschaft – mit personifiziertem Anschreiben, automatisch bereits in der Druckerei eingetütet und mit Postwertzeichen versehen. Josef Ettenhuber sen. hat den Betrieb bereits früh an seine Söhne übergeben. Einen Tag vor Heiligabend 2004 übernahm sein Ältester das Unternehmen, er fungiert seither als Geschäftsführer, ist für Ausschreibungen im ÖPNV, den Hoteleinkauf, die Reiseplanung und sämtliche Bereiche bis zur Katalogproduktion zuständig. Bruder Wolfgang ist Betriebsleiter und hat die Disposition unter sich und Bruder Michael kümmert sich um die Kontingente, den Verkauf und das Bus-Charter-Segment.

„Diese Aufteilung funktioniert perfekt, weil Vater uns auch die Anteile übertragen hat. Er regelte alles schon in seinen 60ern und agierte mit Weitblick“, so Josef Ettenhuber. „Wir Söhne waren in diesen Prozess miteingebunden und davon profitiert heute die Firma.“ Die rund 160 Mitarbeiter können auf einen sicheren Arbeitsplatz bauen und wissen, dass die Chefs ebenfalls mitanpacken und die komplette Familie hinter dem Betrieb steht. „Besonders freut es mich immer, wenn auch die Söhne unserer Mitarbeiter bei uns anfangen“, erzählt Josef Ettenhuber. „Das ist beispielsweise bei einigen Busfahrern, bei unserem Werkstattmeister und beim Fahrdienstleiter der Fall und zeigt, dass die Leute Vertrauen zu uns haben.“

Seit 2004: Von 40 auf 100 Busse!

Ein Drittel der Chauffeure ist seit vielen Jahrzehnten im Unternehmen, einige saßen bereits am Steuer, als der heutige Chef noch nicht mal auf der Welt war. Seit 2004 ist die Firma schnell gewachsen – von 40 auf 100 Fahrzeuge im Fuhrpark, vor allem im Linienverkehr legte die Ettenhuber GmbH in den letzten Jahren enorm zu. Zum Fahrplanwechsel im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) Mitte Dezember 2011 nahm man 40 neue Busse der Marken Mercedes-Benz, Solaris und Temsa in Betrieb, über die Hälfte davon Zusatzanschaffungen, weil neue Linien gewonnen wurden.

Vor allem das, im Vergleich zu anderen Bussen, ca. eine Tonne geringere Eigengewicht des Avenue überzeugte Josef Ettenhuber, mit Temsa auf einen neuen Partner zu setzen. Der Unternehmer, der sich 2008 als erster privater Betrieb in Deutschland einen Linienbus mit Hybrid-Antrieb zulegte, sucht nach innovativen technischen Lösungen und ist überzeugt, dass die Zukunft der Branche in Elektro-Fahrzeugen liegt. „Das wäre auch eine Chance für regionale Busunternehmer, die vor Ort ihre Infrastruktur haben, auf dem Markt erfolgreich bestehen zu können, eine Art Besitzstandsschutz.“

Für die Zukunft seines eigenen Unternehmens, in das seit 1989 auch der, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegründete, Busbetrieb seines Großvaters eingebunden ist, wünscht sich Josef Ettenhuber, dass eines Tages auch sein Sohn Ralf, noch im schönsten Teenager-Alter, Interesse für die Firma zeigt. „Und, dass bei uns immer die Sicherheit an erster Stelle steht.“ Dafür investiert der verantwortungsvolle Chef einiges: Für die Fahrer wird das jährliche Training bezahlt und im Haus organisiert. Der VDV-Arbeitsplatz sorgt dafür, dass sich jeder Fahrer sofort in jedem Bus auskennt und die komfortable Ausstattung seines Bereiches mit Sitzheizung, Klimaanlage, Lordosenstütze, Kleiderbügel, Becher-, Flaschen- und Taschenhalter, 12V- und 24V-Anschluss sowie Abstellflächen dafür, dass sich der Buspilot wohlfühlt. Reisebusfahrer können sich von unterwegs in ein speziell für Ettenhuber entwickeltes Programm auf der Website einloggen und ihre Einsätze vier Wochen im Voraus abrufen.

Nach einem Beinahe-Unfall, bei dem sich ein Kind im toten Winkel vor den Bus kniete, rief Ettenhuber ein Schüler-Bustraining ins Leben. An die 3.000 Kinder kommen jährlich auf den Betriebshof und erfahren anschaulich, wie sie sich an der Haltestelle und im Bus am sichersten verhalten. „Diese Trainings führen wir seit zwölf Jahren kostenfrei für die Schulen in unserem Landkreis durch.

Fanpage auf Facebook ist in Arbeit

Auch bei den Reiseprodukten und der Ansprache der Kunden ist der Unternehmer, der die elf Kilometer ins Büro joggt und bereits einen Marathon hinter sich hat, manchen Mitbewerbern einen Schritt voraus. Seit vielen Jahren werden beispielsweise Wanderreisen erfolgreich angeboten, ein Pilotprojekt „betreutes Reisen“ zusammen mit dem Arbeiter-Samariterbund lief vor einiger Zeit Probe. Ein professionell gedrehter Imagefilm wirbt auf der Website und auf youtube auf unterhaltsame und spannende Weise für das Unternehmen und eine Fanpage auf Facebook ist derzeit in Arbeit.

Ob im Linien- oder Reiseverkehr, Ettenhuber pflegt

den Kontakt mit seinen Kunden und betreibt beispielsweise auch Websites für einzelne Linien, auf denen sich die Fahrgäste mit ihm austauschen. „Das macht den Alltag für alle leichter, für die Passagiere, die Fahrer und auch für uns Busunternehmer“, so Ettenhuber. „Mein großer Vorteil ist, dass ich mein Team und meine zwei Brüder zu 100 Prozent hinter mir habe. So kann ich mich dreiteilen – das können andere nicht.“ (mg)