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7.2.2012 : 6:50 : +0100

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2010 Mai - Dr. Ulrike Hessler

Ab August Intendantin der Semperoper

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Mai 2010, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Dr. Ulrike Hessler, Intendantin der Semperoper.

Dr. Ulrike Hessler
Dr. Ulrike Hessler

Die Semperoper Dresden feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Vor 25 Jahren wurde die neue Semperoper nach achtjähriger Bauzeit 1985 wiedereröffnet. Aus den Ruinen des Zweiten Weltkrieges glanzvoll auferstanden, fanden Musiker und Sänger des Ensembles hier eine Spielstätte, die Künstler und Publikum begeisterte. Wer in den Anfangsjahren ein Abonnement für Karten besaß, durfte sich glücklich schätzen. Erzählt wird die Legende, dass solche Abonnements sogar testamentarisch weiter gereicht wurden. Wie dem auch sei. Für die Bustouristik war die Semperoper nach dem Mauerfall ein Glücksfall. Ein Busreiseziel auf Weltniveau. Hier musste nach 1989 nichts um-, neu-oder ausgebaut werden. Hier war etwas fertig, dass man sofort in die Reisekataloge aufnehmen konnte. Und so geschah es.
Paketreiseveranstalter wie Behringer, Grimm oder OTS orderten ganze Vorstellungen. Etwa 20 Aufführungen werden auch heute noch in jeder Saison komplett von Gruppenreiseveranstaltern gebucht. Das gibt es kein zweites Mal unter den deutschen Opernhäusern. Insgesamt werden ein Drittel aller Karten jährlich an Reisegruppen verkauft. Und das, obwohl die Gruppenkarte für eine Person mehr kostet als eine Individualkarte. Wie das kommt? Ganz einfach: Angebot und Nachfrage. Die Gruppentouristik kauft, wenn man so will, die Karten über einen höheren Preis aus dem – jederzeit verkaufbaren – Kartenkontingent heraus. Eine komfortable Situation für die Semperoper.
„Die Semperoper hat  eine durchschnittliche Auslastung von über 90 Prozent, nur die Bayerische Staatsoper in München hat noch bessere Zahlen“, sagt Dr. Ulrike Hessler (55) im Gespräch mit Bus Blickpunkt. Sie muss es wissen. Denn sie ist seit 1984 an der Bayerischen Staatsoper tätig. War zuletzt Direktorin für Programmentwicklung und Mitglied des Leitenden Direktoriums der Bayerischen Staatsoper. Am 1. August 2010 wird sie Intendantin der Semperoper Dresden. Im Rahmen einer Pressekonferenz im März auf der ITB stellte sie das Programm für die Spielzeit 2010/2011 und sich selbst vor.
Ulrike Hessler ist ein Opernmensch. Keiner, der einst die großen Partien von den Bühnenbrettern in die Welt hinaus  schmetterte. Keiner, den das Ernste und Schwere des Genres körperlich zu erdrücken scheint. Wohl aber jemand, dem die Welt der Oper eine Freude und Lust ist, weil er an ihre Zauberkraft glaubt: „Die Menschen sehnen sich danach. Das Gefühl, dabei zu sein, ist entscheidend“, sagt Ulrike Hessler. Übertragungen im Fernsehen oder Kino könnten viel Interesse und Neugier für die Oper wecken, aber niemals das Live-Erlebnis ersetzen.
Über dieses Live-Erlebnis ist die gebürtige Kasselerin schon als Kind zur Oper gekommen. Mit fünf Jahren bereits in den Meistersingern gesessen zu haben, darauf können sicher nicht viele verweisen. Ein wenig lag diese spätere Passion ihr auch im Blut. Die Großmutter sang im Opernchor. Doch ihre eigene Mutter verzichtete gern mal auf die Karten für die Oper und schickte dafür Tochter Ulrike mit ihrem Bruder in die Aufführungen. Das förderte in ihr eine Leidenschaft, die sie als Teenager durch ganz Europa trieb. Von der Mailänder Scala über Wien bis nach Salzburg. „Ich habe meine Freizeit auf den Stehplätzen der Opernhäuser in Europa verbracht, mein ganzes Geld dafür ausgegeben.“ Beim Anstehen nach Karten diskutierte man in der Schlange mit anderen über bereits erlebte Aufführungen. Zu ihrem guten musikalischen Gehör gesellte sich auf diese Weise auch eine hohe Fachkenntnis. Wenn heute ein Regisseur, wie kürzlich geschehen, ihr vorschlägt, man müsse doch mal das weniger bekannte Werk „Feuersnot“ von Richard Strauss ins Repertoire aufnehmen, dann ist sie um Details nicht verlegen und kann auf die Frage „Haben Sie denn das Stück schon mal gesehen?“, gelassen antworten: „Ja, natürlich.“
Dabei war die Oper für Ulrike Hessler zunächst nicht mehr als ein Hobby, nie Ziel des späteren Berufs. Sie studierte deutsche und französische Literatur in München, promovierte zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die deutsche Exilliteratur. 1984 wurde sie Assistentin des Pressesprechers an der Bayerischen Staatsoper. In diesem Jahr nun der Wechsel nach Dresden. Den Spielplan der Semperoper will sie nicht gänzlich umkrempeln, doch neue Akzente setzen. „Die Programme der Opernhäuser dürfen nicht einfach austauschbar sein. Aufführungen im Kontext mit der Tradition eines Hauses sind wichtig. Carl Maria von Weber und Richard Wagner wirkten in Gottfried Sempers erstem Theater als Musikdirektoren.“ Und so steht auf dem Spielplan 2010/2011 mehr Wagner, aber auch Mozart, Verdi, und Strauss sind stärker präsent. Zudem soll die Barockoper unter der Intendanz  von Dr. Ulrike Hessler eine Renaissance erfahren: „In einer Barockstadt wie Dresden bietet sich das geradezu an.“
Wäre da noch die Gretchenfrage der Bustouristik an die Semperoper zu klären: Wie hältst Du es mit den geliebten klassischen Aufführungen im Kontrast zu den nicht immer geliebten modernen Aufführungen? Die Antwort von Ulrike Hessler ist klar: Eine Oper light wird es mit ihr nicht geben. Kunst als Anspruch ist öffentlicher Auftrag. „Die Semperoper wird sich nicht dem Markt anpassen. Genauso wenig wie ich mich an den Geschmack eines Besuchers oder einer Gruppe anpassen will. Wir müssen noch emotionaler und sinnlicher werden. Die Qualität weiter erhöhen. Das Publikum muss einen starken Abend erleben. Da macht es keinen Unterschied, ob der Stil der Aufführung konventionell oder modern ist.“
Und vor allem eines will Dr. Ulrike Hessler: Auf das junge Publikum zugehen. So soll die Dresdner Erstaufführung von Heinz Werner Henzes Oper „Gisela! Oder: Die Merk- und Denkwürdigen Wege des Glücks“ Jugendliche gemeinsam mit Eltern und Großeltern in die Welt des musikalischen Theaters einführen. Der Vorhang für dieses  Stück hebt sich zum ersten Mal am 20. November 2010. Die Semperoper, ein neues Ziel für Schüler- und Jugendreisen.