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7.2.2012 : 6:45 : +0100

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2010 Juli - Jochen König

Vom Top-Banker zum Busunternehmer

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Juli 2010, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Jochen König, Busunternehmer aus Wirges im Westerwald.

Jochen König
Jochen König

Jochen König hatte einen Spitzenjob im Londoner Bankenviertel. Er verantwortete das gesamte europäische Übernahme-Finanzierungsgeschäft der größten Bank der Welt, der Royal Bank of Scotland. Dann kam die Finanzkrise und der 43-Jährige kam ins Grübeln. „Durch die Finanzkrise haben sich mein Werteraster und meine Ansichtspunkte über dieses Wirtschaftssystem verschoben“, sagt er im Gespräch mit Bus Blickpunkt. Heute ist Jochen König Busunternehmer. Gemeinsam mit seinem Vater Klaus führt er seit einem Jahr den elterlichen Omnibusbetrieb „König´s Reisen“ in Wirges im Westerwald. Die Bankverbindung ist jetzt die örtliche Genossenschaftsbank und nicht mehr das nach Bilanzsumme größte Geldhaus der Welt. Bereut hat er diesen Schritt nicht.
Als Jochen König im Mai 2008 mit 41 Jahren zum Head of Leveraged Finance Europe der Royal Bank of Scotland (RBS) ernannt wurde, berichtete sogar das Düsseldorfer „Handelsblatt“ unter der Überschrift „Aufstieg in die Finanz-Elite“ über den Karrieresprung des Westerwälders: „Es gibt nicht viele deutsche Spitzenkräfte bei international ausgerichteten Banken. Dieser elitäre Kreis wird nun durch Jochen König verstärkt. Der 41-Jährige übernimmt die Verantwortung für das gesamte europäische Geschäft mit Übernahmefinanzierungen bei der Royal Bank of Scotland (RBS)“, schrieben die Wirtschaftsjournalisten im „Handelsblatt“. Damit hatte Jochen König die Verantwortung über ein Geschäftsfeld, bei dem die Royal Bank of Scotland ein Jahr zuvor knapp 70 Kredite im Volumen von insgesamt 30,5 Milliarden Dollar vergeben hatte. Die RBS war damit die Nummer 1 in Europa. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Deutsche Bank und JP Morgan.
Dann kam die Finanzkrise, auch die RBS musste zu ihrer Rettung teilverstaatlicht werden, und Jochen König dachte öfters an den Westerwald. Er dachte auch an seine Frau Janica und ihre beiden gemeinsamen Söhne Carl und Conrad, die nicht mit nach London gezogen waren und den Vater nur am Wochenende sahen. Hier, im Westerwald, führte Vater Klaus (67) das Busunternehmen „König´s Reisen“. Und auch hier stand eine Entscheidung an. Sollte man den Betrieb verkaufen und sich zur Ruhe setzen, oder gibt es doch noch eine Nachfolge?
Die Entscheidung fiel an Weihnachten in der Küche. „Da habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich in die Firma einsteige“, erzählt Jochen König. Den Vater habe das nicht überrascht, der habe so etwas schon geahnt. Und da auch Janica König, damals noch Controllerin in einem großen Bankhaus, nichts gegen den Jobwechsel ihres Mannes einzuwenden hatte, kündigte Jochen König seinen Job bei der RBS. Dort war man zunächst überrascht und bot ihm andere Aufgaben an, doch schnell war klar, dass es der symphatische Westerwälder ernst meinte. Man ließ ihn ziehen, band ihn aber trotzdem an die Bank. Jochen König ist seither im Aufsichtsrat der Deutschland AG der Royal Bank of Scotland und freut sich, wenn er bei den Aufsichtsratssitzungen die alten Kollegen mal wiedersieht. Er ging nicht im Groll, er ging im Guten. Er denkt gerne an die alten Kollegen, aber das Leben in den Sphären der Finanz-Elite vermisst er nicht.
Seit einem Jahr ist er nun im elterlichen Betrieb, sechs Reise- und 20 Linienbusse stehen im Fuhrpark. Auf den Busreisen nach Schottland und England übernimmt er selbst die Reiseleitung. Das neue  Flaggschiff des Unternehmens ist der neue Setra S 415 HD, genau der Bus, den die Ulmer bei der Busworld in Kortrijk ausgestellt hatten. Die Modernisierung der Reisebusflotte war nach der Entscheidung, in das Unternehmen der Eltern einzusteigen, eine der ersten Amtshandlungen des frisch gebackenen Busunternehmers. Jochen König kaufte drei neue Setra-Busse, und die Frage, ob denn der Busverkäufer gewusst habe, was sein Verhandlungspartner vorher beruflich gemacht habe, ringt Jochen König ein breites Grinsen ab. „Nein, das hat er nicht gewusst.“ Vater Klaus König ist ein großer Setra-Fan, doch Vater und Sohn wären auch einem stylischen Neoplan nicht abgeneigt.
Die „Effizienz im Mittelstand“ ist es, die dem neuen Busunternehmer besonders gut gefällt. Es gebe zwar auch mal Differenzen, aber am Ende des Tages wolle jeder das Beste für die Firma. „Im Gegensatz zu Großunternehmen ist das sehr effektiv“, sagt Jochen König, der bei der Royal Bank of Scotland in einem Unternehmen mit weltweit 168.000 Mitarbeitern gearbeitet hat. Im Busbetrieb in Wirges ist man anders aufgestellt: „Wir haben gut 20 fest angestellte Mitarbeiter und eine kleine Geschäftsführung.“
„Ich habe sehr viel Respekt vor der Busbranche“
Das erste Jahr als Busunternehmer hat Jochen König beeindruckt. Der Wettbewerb sei enorm, und bei der Politik habe das Gewerbe auch keinen Stein im Brett. „Ich habe sehr viel Respekt vor der Branche“, sagt Jochen König, der auch die Verbandsarbeit von RDA und BDO genau verfolgt und kürzlich Mitglied der GBK wurde. Einfahrgebühren in italienische Städte, Umweltzonen in Deutschland, es sei schon verrückt, mit welchen bürokratischen Hürden man als Busunternehmer zu kämpfen habe. Die Arbeit der Verbände sei daher „absolut gerechtfertigt“, findet er und ist immer wieder erstaunt, „wie viel Kraft da reingesteckt werden muss, um Entscheidungen zu erreichen, die absolut logisch sind.“
Beim Thema Einfahrgebühren in Italien kommt die analytische Denkweise des früheren Spitzenbankers zum Ausdruck: „Es ist schon interessant, wie man die Geldgeber da aussperrt. Das macht doch wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn, das wäre in der freien Wirtschaft undenkbar!“ Vor diesem Hintergrund würde er sich wünschen, das Busgewerbe hätte „nur ein Prozent der Lobby der Finanzbranche“.