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4.9.2010 : 20:22 : +0200

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2010 August - Axel Biermann

Geschäftsführer Ruhr Tourismus

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats August 2010, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Axel Biermann, Geschäftsführer Ruhr Tourismus.

Axel Biermann
Axel Biermann

Das Ruhrgebiet ist gespickt mit attraktiven Reisezielen für Busunternehmer: Zeche Zollverein, Gasometer Oberhausen, Museum Folkwang oder Jahrhunderthalle Bochum. Doch im Juni und Juli, als in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, beherrschte eine ganz andere Attraktion von der Ruhr die Titelseiten der Zeitungen. Krake Paul, das Ergebnis-Orakel aus dem Sea Life in Oberhausen, hat durch seine hervorragenden Tipps in Sachen Fußball-Vorhersagen während dieser WM mindestens die Berühmtheit erlangt, die das Orakel von Delphi im antiken Griechenland hatte.
Paul gab seine Fußballtipps keine zweihundert Meter von der Zentrale der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) in der Centroallee in Oberhausen ab. Kein Wunder also, dass Paul während der WM auch das Gesprächsthema bei den Fußballfans der RTG war. Und beim Termin mit Bus Blickpunkt kam Axel Biermann, der Geschäftsführer der RTG, dann auch sofort mit der schlechten Nachricht: Soeben hatte Paul die Muschel aus dem spanischen Glas gefuttert. Und das unmittelbar vor dem Spiel gegen Deutschland – eine Katastrophe! Trotzdem: Am Stand der RTG beim RDA Workshop in Köln soll es keinen Oktopus-Salat geben, auch keine Calamaris. Schließlich braucht man Paul noch, spätestens bei der Europameisterschaft in zwei Jahren.
Glücklicher Weise muss Axel Biermann nicht oft solche Hiobsbotschaften überbringen. Denn die Reisedestination Ruhrgebiet brummt, auch dank der vielen deutschen Busunternehmer, die die „Metropole Ruhr“ als attraktives Gruppenreiseziel für sich entdeckt haben. Allein im Gasometer waren in diesem Jahr schon über 300.000 Besucher, 3.000 Gruppenführungen wurden bis jetzt durchgeführt. Auch das Ruhr Museum – im Januar dieses Jahres eröffnet – zählte schon über 200.000 Besucher, und vor dem Welterbe Zeche Zollverein stehen in der Regel bereits morgens die ersten Reisebusse. „Hier haben wir ein Problem“, sagt Axel Biermann, „die Führungen sind oft schon ausgebucht. Ich empfehle den Busunternehmern daher, frühzeitig zu reservieren.“ Ein beliebtes Ziel der Busreiseveranstalter ist auch das Museum Folkwang. Über 5.000 Gruppen nahmen hier schon an Führungen teil.
Der alte „Ruhrpott“ hat sich längst zur „Metropole Ruhr“ gewandelt, mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 und den Marketing-Aktivitäten der RTG ist das inzwischen auch in den Köpfen der Menschen angekommen. Mit den Industriedenkmälern sowie seiner Industriekultur hat das Ruhrgebiet ganz gewiss ein strahlendes Alleinstellungsmerkmal.
Darauf will Axel Biermann auch in Zukunft setzen, denn eine Gästebefragung, die die RTG jüngst durchführen ließ, bestätigt die Macher von der Ruhr. Die Erwartungshaltung der Reisenden gilt demnach ganz klar dem Thema Industriekultur, doch auch das Kunst- und Kulturangebot des Ruhrgebiets bekommt von den befragten Besuchern eine glatte Note 2.
„Wir haben lange gebraucht, um am Markt anzukommen“, sagt Axel Biermann. „Die Kulturhauptstadt war dann ein absoluter Glücksfall für uns. Wir konnten unser Potenzial, das wir ohnehin schon hatten, dadurch voll in den Fokus rücken.“ Dass das am Anfang gar nicht so leicht war, weiß kaum jemand besser als Axel Biermann. Als er 1997 seinen Posten als Geschäftsführer der Tourismus und Marketing Oberhausen GmbH antrat, sei er von manchen seiner früheren Kollegen schon gefragt worden, ob er denn „verrückt geworden“ sei. Tourismus und Ruhrgebiet, das passe doch nicht zusammen.
Doch Biermann war überzeugt vom neuen Job, erst recht, als er das erste Mal im Gasometer war. „Mensch, das ist Europas größter umbauter Raum, und keiner weiß davon“, habe er damals gedacht. Als er vor zwei Jahren den Chefsessel in Oberhausen gegen den bei der RTG eintauschte, hatten sich die Übernachtungszahlen in Oberhausen etwa vervierfacht, und Axel Biermann ging mit der gleichen Begeisterung an die neue Aufgabe heran. „Die Industriekultur-Highlights sind so gigantisch, das ist eine einmalige Aufgabe“, habe er sich damals gedacht und den Job übernommen.
Jetzt ist Axel Biermann Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH und soll so laut es geht für das Ruhrgebiet trommeln. Und das, obwohl er selbst gar kein Kind des alten „Kohlenpotts“ ist. Axel Biermann wurde in Stuttgart geboren und studierte in Trier Geografie und Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismus, außerdem Kunstgeschichte. Danach war er drei Jahre Leiter des Fremdenverkehrsamtes der Stadt Saarburg, ehe er 1997 ins Ruhrgebiet wechselte.
Hier ist Axel Biermann angekommen. Der 44-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn. Im Jahr 2002 hat die Familie gebaut – in Oberhausen, wo er auch arbeitet. Und seine neue Heimat und die Menschen im Revier, so erzählt er fast schon schwärmerisch, sind ihm inzwischen auch an´s Herz gewachsen. „Das müssen sie wissen: Wenn sie hier jemanden  fragen, wo zum Beispiel die und die Straße ist, sagt der ihnen nicht einfach den Weg. Der fragt sie: Wat willstn da? Weil er vielleicht eine bessere Idee hat.“ So sei es eben im Revier, lacht Axel Biermann.
Er weiß indes auch, dass nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, auch nicht an der Ruhr. Die teils „desaströse Haushaltslage“ mancher Städte mache ihm Sorgen. Er hofft, dass nicht an der Tourismusentwicklung gespart wird. „Das“, da ist sich Axel Biermann sicher, „wäre der falsche Weg“ Wir müssen jetzt am Ball bleiben!“ Genau wie Paul, die Fußball-Orakel-Krake aus dem Sea Life in Oberhausen.