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7.2.2012 : 6:51 : +0100

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2009 November - Gorka Herranz

Präsident des Busherstellers Irizar

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats November 2009, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Gorka Herranz, Präsident des Busherstellers Irizar.

Gorka Herranz
Gorka Herranz

Rückblende: Auf der Busworld 1991 in Kortrijk, die damals noch „Car & Bus“ hieß, standen die interessantesten Fahrzeuge außerhalb der Messehallen. Zwei Busse, geparkt wie Zubringerbusse für den Messeshuttle, führten ein Schattendasein auf dem Freigelände. Sie trugen die Aufschrift „Irizar“. Achselzucken bei Ausstellern und Journalisten: „Irizar – never heard.“ Irizar, nie gehört. Doch die Busse machten einen flotten Eindruck, hatten einen attraktiven Preis und  auch ansonsten alles, was ein guter Reisebus braucht. Dass hier ein Spanier erstmals nach Kortrijk gekommen war, wurde anerkennend registriert. Doch die Dimension dieses Schritts wird erst aus heutiger Sicht deutlich. Denn mit dieser internationalen Offensive gingen im Unternehmen Irizar Strukturveränderungen einher. Sie stellten die Weichen für einen spektakulären Wachstumsprozess.

120 Jahre Irizar, seit 1990 enormes Wachstum Anfang der 90er Jahre beschäftigte das Unternehmen im spanischen Ormaiztegi 250 Mitarbeiter und realisierte einen Jahresumsatz von umgerechnet 20 Millionen Euro. Heute ist die Mitarbeiterzahl auf 3.124 an sieben Standorten weltweit gestiegen. Der Jahresumsatz hat fast das 25fache von den 1990 erzielten Zahlen erreicht: 480 Millionen Euro. 4.200 Busse mit dem Namen Irizar werden jährlich produziert. In Kooperation mit dem Chassis-Spezialisten Scania ist der Reisebus Irizar Century seit Langem auf dem Markt. Ein optisch eindrucksvolles Flaggschiff, das bullig wie ein Stier in einer spanischen Arena daher kommt und weltweit viele Freunde gefunden hat. Zum Beispiel die Fußballmannschaft von Werder Bremen, die in einem Irizar chauffiert wird. Auch der Bus Blickpunkt darf für sich reklamieren, den Weg von Irizar in den deutschen Markt mit geebnet zu haben. Für drei – von inzwischen insgesamt 87 Bus-Blickpunkt-Leserreisen – stellte Irizar Reisebusse zur Verfügung, knüpfte dabei Kundekontakte und rekrutierte dabei auch seinen ersten Vertriebsleiter für den deutschen Markt: Busunternehmer Franz Schmidt.

Irizar ist der Name der spanischen Gründerfamilie. 1889 wurden die ersten Kutschen ausgeliefert. 2009 feiert man den 120. Jahrestag des Bestehens des Unternehmens. Mit einem Paukenschlag. Nach Jahren der Liaison mit Scania war man in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Messestand in Kortrijk vertreten.

Ja zu Scania, offen auch für andere „Wir wollen die Marke Irizar deutlicher auf dem Markt platzieren, zeigen, wie breit unsere Produktpalette ist“, sagt Gorka Herranz, der Präsident von Irizar, beim Interview mit Bus Blickpunkt im Irizar PB auf der Messe in Kortrijk, und betont gleichzeitig, dass man die Zusammenarbeit mit Scania auf jeden Fall fortsetzen werden. Fragen dazu tauchten in Kortrijk vor allem deshalb auf, weil Scania mit dem chinesischen Busproduzenten Higer den Reisebus „Scania Touring“ vorstellte und weitere Modelle ankündigte. Doch Gorka Herranz ergänzt: „Wir sind künftig aber auch offen für andere Chassisbauer.“

Der Präsident ist noch jung, gerade 40 Jahre alt geworden. Er begann seinen Weg 1996 als Wirtschaftsingenieur bei Irizar, stiegt zum Finanzdirektor auf und führt heute die gesamte Gruppe.

Irizar PB jetzt mit selbsttragendem Aufbau in Kortrijk ließen gleich fünf verschiedene Exponate aufhorchen. Das Irizar-Sortiment wächst mit neuen Varianten, zwei neue selbsttragende Busse versprechen Zuwachs an Kompetenz – der bekannte Karossier wird so zum Systemintegrator. Ob es die schiere Lust auf mehr ist? Ganz sicher stecken handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter. Das spanische Unternehmen verschreibt sich eine intelligente Produktpolitik mit einem modularen Fahrzeugbaukasten, der den Markt auch mit lukrativen Nischenmodellen bedient. Eines, das Erfolg verspricht, könnte der Regionalbus i4 LE sein, der als schicker Low-Entry Premiere feierte. In die Entwicklung wurden mehr als drei Millionen Euro investiert, nicht zufällig verwenden die Irizar-Techniker hier ein Volvo-Fahrgestell. Für die beiden brandneuen Integralfahrzeuge tragen sie die Gesamtverantwortung. Je ein Irizar i4 und ein PB rollen mit selbsttragendem Aufbau und eigens komponiertem Fahrwerk, die Front trägt stolz und ausschließlich den Namen Irizar.

Ganz im Trend liegt der 3,2 Meter hohe Hochbodenbus, der von 360-DAF-PS im Heck beflügelt wird. Für das Fahrwerk bemühen die Entwickler bewährt moderne ZF-Achsen, die ECAS-Federung und die Bremsanlage steuert Wabco bei. Stolze 15 Meter Länge weist der neu entwickelte Irizar PB auf, das Datenblatt spricht von Einzelradführung an Vorder- und Nachlaufachse. Auch sonst bewegt sich der spanische Superhochdecker auf Augenhöhe mit arrivierten Wettbewerbern – mit 510 PS und 2.500 Newtonmetern, die der stämmige DAF-MX-Sechszylinder liefert, mit neuestem AS-Tronic-Getriebe, mit serienmäßigem ESP-System und optionalem ACC-Abstandstempomat.

Die Irizar-Verantwortlichen verweisen stolz auf ihre technologische Kompetenz, bleiben aber bei Fragen nach Absatzmärkten für ihre neuen selbsttragenden Busse unbestimmt. Man möchte ja keinen Partner verprellen – verkauft wird fast ausschließlich über die Vertriebsorganisation der Fahrgestellhersteller. Nur auf der iberischen Halbinsel und in Italien verfügt Irizar über ein eigenes Vertriebsnetz.