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7.2.2012 : 6:45 : +0100

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2009 Juni - Gerd Paulussen

Wanderreisen mit Omnibus-Lüngen

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Juni 2009, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Gerd Paulussen, Inhaber von Omnibus-Reisen Lüngen in Mönchengladbach.

Gerd Paulussen
Gerd Paulussen

Der RDA hat in diesem Jahr seinen Workshop vom 4. bis 6. August in Köln mit einem Thema versehen: Wanderspaß mit Wanderreisen. Mit Wanderreisen Geld verdienen, geht denn das? „Ja“, sagt Gerd Paulussen (57), „wenn die Gäste nach einer schönen Bergwanderung abends in ein komfortables Hotel kommen, dort im Schwimmbad relaxen können und gut getafelt wird, dann hat jeder für sich etwas getan und ist in guter Stimmung. Zufriedene Kunden sind Wiederholungstäter“. Doch bevor wir das Thema Wanderreisen – wir haben uns im Gartenrestaurant des Dorint Hotels in Mönchengladbach verabredet – weiter vertiefen, frage ich Gerd Paulussen, wie denn bei ihm derzeit, im Mai 2009, die Stimmung rund um sein Geschäft so sei.
Gerd Paulussen ist Inhaber und Chef von Omnibus-Reisen Lüngen in Mönchengladbach. Er hat das kleine, aber feines Segment der Wanderreisen in den letzten Jahren gepflegt und damit gute Erfolge erzielt. Doch welchen Wert besitzen solche Erfolge in Krisenzeiten wie heute? Denn wohin man in diesen Tagen in der Busbranche auch kommt, Thema Nr. 1 sind nicht die Lenk- und Ruhezeiten, die Umweltzonen oder gar Wanderreisen, Thema Nr. 1 ist die allgemeine Krise. „Kommen wir durch? Wenn ja, wie?“ – Fragen, die sich die Busunternehmer landauf, landab stellen.
Auch Gerd Paulussen, durchaus robuster Natur und nach 30 Jahren Busgeschäft weiter mit Freude dabei, hat so seine Sorgen mit diesem Jahr. „Die Wintermonate waren eine Katastrophe, kaum Buchungen.  Der März lief gut. Nach Rom, Dresden und Sizilien rollten volle Busse.“ Mit Flusskreuzfahrten ist er seit vier, fünf Jahren gut im Geschäft, chartert auch mal ein ganzes Schiff mit 150 Plätzen. „Es ist ein Riesenrisiko, doch wenn´s klappt und die Plätze verkauft werden, kann man auch 2,50 Euro dabei verdienen“, freut sich Gerd Paulussen. Bei ihm hat es noch immer geklappt.
Doch die Zeiten sind schwerer geworden.  Im vergangenen Jahr zogen Gewitterwolken in den Farben Rot, Gelb und Grün am Himmel der Bustouristik auf: die Umweltzonen. Deshalb entschloss sich Gerd Paulussen im Mai 2008, da waren seine Euro-3-Busse noch gut verkaufbar, zu einem radikalen Schnitt: alle Euro-3-Busse weg und neue Euro-5-Busse anschaffen. Bei den Neufahrzeugen ging es um drei Setra 400 GT-HD. Natürlich schmelzen bei solch einer Ganzkörperoperation die Finanzreserven wie Schnee in der Frühlingssonne. Die Hausbank stand voll und ganz hinter Lüngen-Reisen. 2009 buchen die Gäste sehr kurzfristig, konstatiert Gerd Paulussen und erklärt: „Unsere Wanderreisen in ein Fünf-Sterne-Hotel nach Saas Fee in der Schweiz, so etwas wie das Sahnestück im Angebot, waren in den früheren Jahren schon nach vier Wochen ausgebucht. Vier Busse waren gefüllt. In diesem Jahr sind es im selben Zeitraum zwei.“
Dennoch ist er weit davon entfernt, die weiße Fahne zu hissen, noch bevor die Schlacht begonnen hat. Er kennt seine Produkte, bucht viele Reisen bei Behringer Touristik, weiß um die Qualität seines Angebots. Erfahrene und qualifizierte Reiseleiter sorgen für das Wohlfühlklima unterwegs. Kultur- und Kunstreisen werden bei Lüngen-Reisen im Haus selbst maßgeschneidert. Engagierte und motivierte Mitarbeiter wissen, wo die Musik spielt und wohin die nächste Reise gehen soll.
„Man muss immer überlegen, was der Kunde will. Denn die Wünsche der Kunden ändern sich. Das ist bei Kunst- und Kulturreisen nicht anders als bei Wanderreisen“, erklärt Busunternehmer Paulussen und fügt hinzu: „Die Leute wollen nicht zehn Stunden wandern und dann spartanisch übernachten. Sie wollen spüren, dass sie eine Bergwanderung körperlich packen. Aber am Abend wollen sie das Hotel genießen und zur Ruhe kommen.“ Eine Wanderung soll Lust und nicht Frust fördern.
Gerd Paulussen hält nichts davon, via Internet einen Fremdenführer oder einen Bergwanderführer zu buchen. Er sieht sich die Strecke selbst an, verlässt sich nicht auf den Rat der Einheimischen: „Da kommen Sie mit dem Bus schon rauf!“ Und ist so vor bösen Überraschungen sicher. Seine Wanderreisen nennt er nicht Wanderreisen, sondern Komfortreisen, weil das Fünf-Sterne-Hotel Ferien-Art Resort & Spa Saas Fee in der Schweiz eben ein Luxushotel ist. Die Reise gibt es nicht schon ab 49,00 Euro, sondern zum Genießer-Preis (schöner Name) von 695,00 Euro für 7 Tage.
Ehrlich währt am längsten. Das weiß Gerd Paulussen seit er in den 70er Jahren ins Busunternehmen Lüngen einheiratete und seinen ersten Bus nach Marokko steuerte. Die Lederaktentasche mit 45.000 DM ruhte nachts sicher unter dem Kopfkissen.
Auch beim digitalen Tachograf, der mit den neuen Euro-5-Bussen in sein Unternehmen kam, kennt er keine Kompromisse: „Ich wusste, der digitale Tachograf kommt sowieso. Bei uns wurde nie geschummelt mit den Ruhezeiten, also muss ich auch nicht die neue Technik fürchten.“
Immer geradeaus. Gerd Paulussen, Sportsmann der alten Schule, früher Handballer, heute Tennisspieler, hat den Zug zum Tor.
Im nächsten Jahr steht eine Wanderreise nach Südtirol  auf dem Programm. Auf den Spuren von Reinhold Messner und Franz Kammerlander heißt das Thema. Natürlich schaut er sich in diesem Jahr selbst genau an, wohin diese Spuren führen. Mit seiner Lebensgefährtin Monika Becke wird er in seinem Urlaub in den Dolomiten auf Wanderschaft gehen. Schauen, wie die Hütten aussehen, was für die Reisegäste zumutbar ist.
Während mir Gerd Paulussen das alles erzählt, ist es im Gartenrestaurant des Hotels Dorint in Mönchengladbach doch ein wenig frisch geworden. Da passt es ganz gut, wenn man sich warme Gedanken macht. Gerd Paulussen erzählt von seinem neuesten Hobby: Das ist seine Motorsäge. Bäume fällen wie die Holzfäller in Kanada, sich austoben, Kaminholz für den Winter stapeln, das bringt Leben, das gibt Wärme. Dabei muss man sich konzentrieren, vergisst den Alltag und findet zugleich Kraft für ihn.
Ein solcher Tag macht ihn glücklich. Abends zufrieden heimkehren, weil man tagsüber etwas geleistet hat. Da ist sie wieder, die Zauberformel der Wanderreisen.