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2009 Januar - Moritz Prinz
Busfahrplan auf GPS-Handy, dank...Moritz Prinz
Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Januar 2009, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Moritz Prinz, Bachelor of Science in angewandter Informatik, Fachhochschule Münster.

- Moritz Prinz
Der 26-jährige Moritz Prinz hat soeben seinen Bachelor of Science in angewandter Informatik gemacht. Für seine Bachelor-Arbeit, früher sagte man Diplomarbeit, hat sich der junge Mann mit den ÖPNV-Fahrplänen im Münsterland beschäftigt. Moritz Prinz weiß jetzt, wann und wo welcher Bus abfährt, welcher Linienführung er folgt und vor allem weiß er jederzeit und an jedem Ort im ganzen Münsterland und in der Region Ruhr-Lippe, welches die nächstgelegene Haltestelle ist und wie weit es von seinem derzeitigen Standpunkt aus bis dorthin ist. Moritz Prinz hat seinen Fahrplan nämlich immer dabei – auf seinem Handy. Das schöne daran ist, dass Moritz Prinz dieses Wissen mit jedem anderen teilt, der ein GPS-fähiges Handy hat. Das schlechte daran ist, dass es bisher nur im Münsterland und der Region Ruhr-Lippe so einfach funktioniert. Das könnte sich indes rasch ändern.
Sechs kommunale Verkehrsgesellschaften haben sich im Münsterland und der Region Ruhr-Lippe zusammengeschlossen und das Labor für Software-Engineering am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der Fachhochschule Münster im Jahr 2005 beauftragt, einen mobilen Fahrplan für die Handynutzung zu entwickeln.
Prof. Dr. Gernot Bauer hat an diesem Fachbereich eine Professur für Software-Engineering und Angewandte Mathematik. Spezialisiert ist Prof. Bauer auf die Entwicklung moderner Geoinformationssysteme und kam diesem Auftrag gerne nach. Studenten des Fachbereichs entwickelten mit Prof. Dr. Bauer „moFahr“, den mobilen Fahrplan für die Handynutzung. Der steht bereits seit März 2006 zur Verfügung und stößt bei den ÖPNV-Nutzern der Region auf große Beliebtheit. „Etwa 40.000 Menschen im Münsterland und knapp 25.000 Nutzer in der Ruhr-Lippe-Region haben sich moFahr bereits auf ihr Handy geladen“, freut sich Holger Topp von der Westfälischen Verkehrsgesellschaft, dem die Koordinierung dieses Kooperationsprojektes obliegt.
Für die Entwicklung von moFahr hatte Topp nur zwei Bedingungen: „Die Bedienung muss einfach und intuitiv sein, außerdem muss die Lösung kostengünstig für die Fahrgäste sein.“ Beide Aufgabenstellungen wurden mustergültig erfüllt. Der moFahr-Handyfahrplan muss lediglich einmal aus dem Internet oder per GPRS auf das Handy geladen werden, dann funktioniert moFahr „offline“, es fallen also keine weiteren Verbindungsgebühren an. Bei einer Fahrplanumstellung werden die Kunden per Blinker auf dem Handy-Display benachrichtigt, dass eine neue Version ihres Fahrplans zum Download bereitsteht.
Die Funktion dieses Fahrplans ist denkbar einfach. Man öffnet die Anwendung moFahr auf dem Handy und gibt über den Ziffernblock den Anfangsbuchstaben der Haltestelle ein und wählt diese aus einer Vorschlagsliste aus. Schon berechnet moFahr, welche Busse dort in den nächsten Minuten halten werden und wohin jeder einzelne von ihnen fährt. „Sogar die betriebliche Durchbindung funktioniert und wird angezeigt“, betont Holger Topp. Wird beispielsweise die Linie R22 an einer bestimmten Haltestelle zur Linie R23, zeigt moFahr auch das an und signalisiert dem Fahrgast, dass alles seine Ordnung hat.
Moritz Prinz hat die Funktionen von moFahr nun noch einmal erweitert. Jetzt kann ein GPS-fähiges Handy sogar anzeigen, wie weit es vom aktuellen Standort bis zur nächsten Bus- oder Straßenbahnhaltestelle ist, oder, wenn dies gewünscht ist, bis zum nächsten Bahnhof. Denn auch die Bahnfahrpläne können in moFahr integriert werden. Über GPS ermittelt das Handy zunächst seinen eigenen Standort und gleicht ihn dann mit den Haltestellen des moFahr-Fahrplans ab.
Offline nutzbare Handy-Fahrpläne gibt es zwar schon in mehreren Kommunen, aber das sind in der Regel Insellösungen. Im Gegensatz dazu wurde moFahr von der Fachhochschule Münster so konzipiert, dass jede Verkehrsgesellschaft, deren Fahrpläne im zumeist verwendeten DINO-Schnittstellenformat erstellt sind, diese Fahrpläne problemlos für die Handynutzung bearbeiten kann. Dazu ist lediglich ein von der Fachhochschule Münster entwickelter moFahr-Generator erforderlich, eine Software, die auf jeden Computer gespielt werden kann und deren Bedienung einem geschulten Mitarbeiter keine Probleme bereitet.
Die Rechte an moFahr haben die kooperierenden kommunalen Verkehrsunternehmen der Verkehrsgemeinschaften Münsterland und Ruhr-Lippe. Hierzu zählen neben der Westfälischen Verkehrsgesellschaft mbH (WVG) mit ihren Tochterunternehmen (RVM, RLG und VKU) auch die MVG Märkische Verkehrsgesellschaft GmbH, die Stadtwerke Münster GmbH und die Stadtwerke Hamm GmbH. Über die WVG kann man moFahr samt Fahrplan-Generator erwerben, wenngleich Holger Topp sagt, dass man eine Verkehrsgesellschaft bleiben möchte und daher nicht „groß in den Software-Vertrieb“ einsteige. Fände man indes weitere Interessenten an moFahr, würde man sich freuen und käme bestimmt auch ins Geschäft.
In diesem Fall empfehlen Topp und Prof. Dr. Bauer aber auch den Abschluss eines Wartungsvertrags mit der Fachhochschule. „Da haben wir durchaus erschwingliche Preise“, sagt Prof. Dr. Bauer, aber etwas Geld müsse die FH für ihre Dienste, beispielsweise Fernwartung, schon nehmen. Bleibt noch anzumerken, was Moritz Prinz als nächstes plant. „Im Moment ist der Prinz erst mal glücklich, dass er den Bachelor in der Tasche hat“, lacht der Student, schiebt aber nach, dass er bereits angefangen habe, auf den Bachelor jetzt noch den Master of Science zu setzen. Ob er sich für seine Master-Arbeit auch mit moFahr oder ÖPNV-Fahrplänen beschäftigen wird, wisse er noch nicht so genau. Nur eines, dass ist dem jungen Mann heute schon klar. „Ich glaube, ich werde einen ziemlich interessanten Job in Zukunft haben.“
