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7.2.2012 : 6:50 : +0100

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2009 August - Fritz Pleitgen

Geschäftsführer der RUHR.2010

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats August 2009, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der RUHR.2010.

Fritz Pleitgen
Fritz Pleitgen

Viele Menschen in Deutschland sind mit ihm aufgewachsen. Fritz Pleitgen berichtete von den Brennpunkten der Welt. Ab 1964 als Auslandskorrespondent der ARD über EWG- und NATO-Sitzungen in Brüssel und Paris, im gleichen Jahr über den Zypernkrieg und 1967 über den Sechs-Tage-Krieg. Wenn die Welt den Atem anhielt, berichtete Fritz Pleitgen von den Geschehnissen vor Ort. In Moskau führte Fritz Pleitgen als erster westlicher Journalist ein Interview mit dem damaligen sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew.
Als Essen für das Ruhrgebiet von der Europäischen Kommission zur Kulturhauptstadt Europas 2010 erklärt wurde, fahndete man nach geeigneten Vorsitzenden der Geschäftsführung für die RUHR.2010 GmbH, die Kulturhauptstadtgesellschaft, die dieses große Ereignis organisiert und durchführt. Die Wahl fiel auf Fritz Pleitgen, der von den 55 Jahren als Journalist 44 Jahre beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) gearbeitet hat. Und der WDR, das ist der Sender des Ruhrgebiets, wo Fritz Pleitgen am 21. März 1938 in der Schimanski-Stadt Duisburg geboren wurde.
Es war der berühmte Tatort Kommissar Horst Schimanski, grandios gespielt von Götz George, der das Ruhrgebiet in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sonntagabends in die deutschen Wohnzimmer brachte. Schimanski löste seine Fälle in Pleitgens Geburtsstadt Duisburg, und die Bilder, die damals über die Fernsehbildschirme flatterten, bestimmen noch für viele ihr Bild des Ruhrgebiets: Hohe Arbeitslosigkeit, der Niedergang der Zechen, Einwanderungsproblematik und Städte, die ihre Vergangenheit hinter sich, aber die Zukunft noch nicht vor sich sahen. Es herrschte Tristesse im Pott. Genau dieses Bild soll die Kulturhauptstadt RUHR.2010 revidieren, und der eifrigste Werber für die „Wiederauferstehung“ des „Ruhrpotts“ ist Fritz Pleitgen. „Berlin ist eine Ansammlung von Dörfern, wir sind eine Ansammlung von Städten“, sagte Pleitgen im Juni etwas verschmitzt, nicht aber ohne Stolz beim „Fest des Westens“ in der NRW-Landesvertretung in Berlin.
Es war das Konzept, das Essen und dem Ruhrgebiet letztlich den Zuschlag zur Kulturhauptstadt 2010 brachte. Wie Pleitgen während einer Rede bei einer Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung NRW sagte, löste diese „Entscheidung allgemeine Überraschung aus“. Denn Essen und das Ruhrgebiet hatten sich zuvor nicht allzu große Hoffnungen gemacht. Die Konkurrenten wie Bremen, Köln, Münster und Kassel galten allesamt als aussichtsreicher. Doch die Leitidee „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“ überzeugte die Jury. Essen und das Ruhrgebiet wurden Europas Kulturhauptstadt 2010.
Für Fritz Pleitgen war diese Entscheidung absolut richtig: „Das Ruhrgebiet ist dafür prädestiniert. Es steht wie kaum eine andere Region in Europa für einen tief greifenden Wandel der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Landschaft.“ Diese Entwicklung indes habe sich so schnell vollzogen, dass der Imagewandel nicht mitgekommen sei. Noch immer sei die Ansicht in Deutschland und vor allem im Ausland weit verbreitet, das Ruhrgebiet ist eine Region untergehender Montanindustrie, grauer und abgewrackter Städte sowie einer angeschlagenen Landschaft, sagt Pleiten und moniert: „Mit Kultur bringen es nur Kenner in Verbindung.“
Das Kulturhauptstadtjahr sei daher eine Riesenchance und könne einen Entwicklungsschub auslösen, sagt Pleitgen. „Das Jahr 2010 soll aller Welt deutlich machen, dass das Ruhrgebiet eine der reichsten Kulturregionen Europas ist.“
Pleitgen erklärt: „Das Ruhrgebiet besitzt eine leistungsstarke Kulturlandschaft, die internationale Klasse zu bieten hat, wie die Ruhrfestspiele, die RuhrTriennale und das Klavierfestival. Das Gleiche gilt für die Museen, die zum Jahr der Kulturhauptstadt überdies eine außerordentliche Verstärkung durch die Neubauten des Folkwang Museums in Essen, der KüppersMühle in Duisburg, des Dortmunder U's und des Schumacher Museums in Hagen erhalten. Ob alt oder neu, die Museen des Ruhrgebiets stehen für ein Angebot, das einer Weltmetropole würdig ist.“
Das Jahr 2010 wird im Ruhrgebiet ein opulentes Angebot an Kulturereignissen aller Art bieten, ein Mix aus hochanspruchvollen und massenattraktiven Veranstaltungen. So soll zum Beispiel Mahlers Achte, die Sinfonie der Tausend, am 100. Jahrestag Ihrer Uraufführung vor 70.000 Menschen in einem Fußballstadium von allen Ruhrgebietsorchestern gemeinsam gespielt werden.
Die Bürger und die vielen erwarteten Besucher sollen nicht nur Kultur genießen, sondern auch mitwirken, zum Beispiel beim Day of Song, der das ganze Ruhrgebiet zum Singen bringen soll, und bei der Sperrung der Autobahn A 40 von Dortmund bis Duisburg. Am 18. Juli 2010, einem Sonntag, wird über die Strecke von 60 Kilometern ein Tisch aufgestellt, an den alle eingeladen sind. Sie sollen kommen mit ihrem Essen, ihrer Musik, ihren Tänzen und vor allem mit dem Wunsch, ein internationales Straßenfest der Toleranz und Nachbarschaft zu feiern.
Die Europäische Kulturhauptstadt RUHR.2010 wird den Wandel vom Ruhrgebiet zur Metropole Ruhr dokumentieren, die ihre heutige Innovationskraft aus ihrer lebendigen Geschichte bezieht. Es wird die größte Kulturhauptstadt aller Zeiten, denn 53 Städte werden 2010 Kulturhaupstadt: Alpen, Bergkamen, Bochum, Bönen, Bottrop, Breckerfeld, Castrop-Rauxel, Datteln, Dinslaken, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Ennepetal, Essen, Fröndenberg, Gelsenkirchen, Gevelsberg, Gladbeck, Hagen, Haltern am See, Hamm, Hamminkeln, Hattingen, Herdecke, Herne, Herten, Holzwickede, Hünxe, Kamen, Kamp-Lintfort, Lünen, Marl, Moers, Mülheim an der Ruhr, Neukirchen-Vluyn, Oberhausen, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen, Rheinberg, Schermbeck, Schwelm, Schwerte, Selm, Sonsbeck, Sprockhövel, Unna, Voerde, Waltrop, Werne, Wesel, Wetter, Witten und Xanten. Das ist die RUHR.2010.