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7.2.2012 : 6:45 : +0100

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2008 Oktober - Paul Royer

Paul Royer - Präsident Royer Voyages, Frankreich

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats November 2008, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Paul Royer, Präsident Royer Voyages, Frankreich.

Paul Royer
Paul Royer

Herrlisheim ist ein kleines, beschauliches Städtchen in der Rheinebene im Elsass mit knapp 5.000 Einwohnern. Hier hat Royer Voyages, einer der größten Verkehrsanbieter Elsass-Lothringens und der größte Busreiseanbieter zwischen Hagenau, Straßburg, Metz und der luxemburgischen Grenze seinen Stammsitz. Der 44-jährige Paul Royer führt das traditionsreiche Familienunternehmen, das 1928 von seinem Großvater Ernest Royer gegründet wurde, in der dritten Generation. In Deutschland wäre er Geschäftsführer, in Frankreich und im Elsass nennt sich das Président Directeur Général.
Paul Royer steht einem Unternehmen vor, das 150 Busse im Reise- und Linienbetrieb hat, 195 Mitarbeiter beschäftigt und seine Reisen im Direktvertrieb über zehn eigene Reisebüros verkauft. „In unseren Reisebüros gibt es auch Flugreisen und Kreuzfahrten, da arbeiten wir mit anderen Anbietern zusammen. Aber unsere Busreisen und unsere Busreisekataloge, die gibt es nur exklusiv in unseren eigenen Reisebüros“, erläutert Paul Royer das unternehmerische Konzept von Royer Voyages. Die Kataloge zur Saisoneröffnung werden im gesamten Einzugsbereich des Unternehmens flächendeckend verteilt, andere Kataloge liegen immer wieder den regionalen Zeitungen bei.
Die zehn Reisebüros verteilen sich über das ganze Elsass und über weite Teile Lothringens. Dependencen des Unternehmens sind in Mulhouse, Colmar, Straßburg, Hagenau und L’Hôpital an der luxemburgischen Grenze sowie in weiteren elsässischen Ortschaften.
Die Firmenphilosophie von Royer Voyages fokussiert klar die Interessen, Wünsche und Erwartungen der Kunden und bezieht in diese Ausrichtung auch die Mitarbeiter sehr stark ein. „Kundenorientiert“, sagt Paul Royer, „ist heute wohl jedes Unternehmen, das erfolgreich am Markt sein will.“ Bei Royer Voyages werde diese kundennahe Orientierung aber auch täglich gelebt. „Wir legen in unserem Betrieb sehr viel Wert darauf, dass die Mitarbeiter immer denken, was möchte der Kunde, was erwartet der Kunde?“ Paul Royer ist es wichtig, dass er und die Teams seine Mitarbeiter die aktuellen Trends erfassen und sich fragen, was ein neuer Trend – egal in welchem Bereich – für die Busreisebranche bedeutet. Diese kundenorientierte Unternehmensphilosophie spiele aber auch noch aus einem ganz anderen Grund eine wichtige Rolle. Viel zu groß sei die Gefahr, dass man bei all der Organisation, die ein Busbetrieb dieser Größe unweigerlich erfordert, nur noch ans organisieren denke und den Blick für die Kunden verliere. „Die ganze Organisation ist dazu da, den Kunden zufrieden zu stellen, und nicht, um nur gut organisiert zu sein. Man muss aufpassen, nicht alles nur in organisatorischer Hinsicht zu sehen.“
Das dankt die Kundschaft dem Unternehmen. In der Kundendatei sind derzeit 50.000 Kunden erfasst, keiner der Datensätze ist älter als vier Jahre. Neben „sehr vielen Stammkunden“ könne das Unternehmen auch immer wieder viele Neukunden gewinnen. „Der Bus ist in Frankreich noch immer eher ein Reise- denn ein Verkehrsmittel, ganz im Gegensatz zum Flugzeug, das viele Franzosen noch immer eher als ein Verkehrsmittel sehen“, erklärt Paul Royer. Das sei einer der Unterschiede zum deutschen Busreisemarkt.
Doch nicht nur das. Auch seine Reisen müssten ganz anders geplant werden als die seiner deutschen Kollegen. 90 Prozent der Reiseangebote von Royer Voyages sind mit Vollpension, wobei die einzigen Gerichte, die gelegentlich nicht inkludiert sind, allenfalls das Mittagessen auf der Hin- und Rückfahrt sein könnten. „Die große, große Mehrzahl unserer Kunden will Vollpension. Mittags mindestens drei, abends am besten vier Gänge. Das Mittagessen gehört voll zum Reiseprogramm. Da muss das Menü stimmen!“
Überhaupt gehe es bei der Organisation einer Busreise darum, ihren ganz speziellen Rhythmus zu berücksichtigen. „Die Reise soll anfangen, wenn die Leute in den Bus einsteigen“, erläutert Paul Royer, „sie sollen nicht nur ans Ziel denken.“  Hier habe sein Unternehmen gute Erfahrungen mit Dokumentationsfilmen zu Reisezielen oder Sehenswürdigkeiten an der Wegstrecke gemacht.  „Die Leute sitzen nicht nur im Bus, um zu fahren. Bei Videos kann noch viel gemacht werden. Die Leute haben großes Interesse daran. Das merken wir.“
Die Hitliste der Reiseziele bei Royer Voyages führt ganz klar Spanien vor Österreich, Italien und Frankreich an. Das verwundert nicht, denn Royer Voyages begann sein Reisegeschäft mit Spanienfahrten, wobei Paul Royer viel Wert auf die Tatsache legt, dass die iberische Halbinsel nie im Pendelverkehr angefahren werde. „Bus und Fahrer bleiben die ganze Zeit über bei der Gruppe.“ Neben diesen klassischen Zielen spürt man bei Royer Voyages zurzeit auch einen Trend zu Städtereisen.
75 der 150 Busse von Royer Voyages verkehren ausschließlich im Reiseverkehr, die anderen 75 bedienen Linien, viele auch im Überlandverkehr. Bei den Linien- und Überlandbussen fährt das Unternehmen fast ausnahmslos Busse von Mercedes-Benz, im Reiseverkehr bis auf ganz wenige ältere Ausnahmen ausschließlich Busse des belgischen Herstellers Van Hool – teilweise mit MAN-, teilweise mit DAF-Maschinen. „Das Produkt muss uns technisch gefallen“, erläutert Paul Royer die Zwei-Marken-Strategie seines Unternehmens. „Dadurch können wir in unseren eigenen Werkstätten so rationell wie möglich sein. Die Teams sind auf diese Busse eingearbeitet, so kann man die Kosten am besten im Griff behalten.“ Außerdem sei der Wiederverkaufswert ein sehr wichtiger Faktor.
„Nein“, ausschließen würde er es nicht, auch Busse eines anderen Herstellers zu kaufen, antwortet Paul Royer auf diese Frage. Immerhin sei sein Vater, Eugene Royer, der erste französische Busunternehmer mit Neoplan-Bussen gewesen. Auch der französische Hersteller Irisbus baue „jetzt schöne, gute Busse“, lobt Royer, und auf Nachfrage, ob denn die französische Karte in einem französischen Unternehmen nicht steche, antwortet der sympathische Busunternehmer lachend: „Wir sind Elsässer.“ (pg)