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7.2.2012 : 6:54 : +0100

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2008 November - Hans-Joachim Pilz

Hans-Joachim Pilz - Geschäftsführer Vertrieb Bus bei MAN Deutschland

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats November 2008, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Hans-Joachim Pilz, Geschäftsführer Vertrieb Bus bei MAN Deutschland.

Hans-Joachim Pilz
Hans-Joachim Pilz

München, MAN-Firmenzentrale, Dachauer Straße 667, Oktober 2008, Nieselregen. Hoch oben im vierten Stock gibt der Etagenbalkon den Blick auf ein riesiges Areal frei. Dort unten werden in der großen Halle die LKW mit dem Löwen auf der Brust montiert. Nicht weit davon residieren die Konstrukteure für Reise- und Linienbusse in einem modernen Fünfgeschosser. „Drüben, auf der anderen Straßenseite“, sagt Hans-Joachim Pilz, „entstehen die beiden Markenforen für MAN-Fahrzeuge und Neoplan Busse. Wenn die 2009 fertig sind, führt die Dachauer Straße quer durch die MAN-Zentrale. Wer künftig über die Nord-Südachse in die Münchener Innenstadt will, fährt dann mitten durch den MAN-Konzern.“ Derweil dokumentiert eine kleine Zeitraffer-Kamera am Balkongeländer im 5. Stock das Baugeschehen und zeichnet so das Wachsen der neuen Markenforen – Auslieferungshallen de Luxe – auf. Zur Einweihung wird man das Ergebnis dann im Schnelldurchlauf erleben können. Das hat mit Marketing zu tun.
Hans-Joachim Pilz ist ausgewiesener Marketing-Spezialist. 1979 bewarb er sich zum ersten Mal - mit Erfolg - um eine Arbeitsstelle als Werbeleiter, wie man den Marketingchef damals nannte. Sein Büro stand fortan auf dem Werksgelände von Neoplan in der Vaihinger Straße in Stuttgart-Möhringen. Fast 30 Jahre sind seither vergangen. Heute ist Hans-Joachim Pilz im Weltkonzern MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) angekommen.  
Im Jahr 2001 wurde Neoplan von MAN übernommen. Für viele überraschend. Für Hans-Joachim Pilz ein logischer Schritt. „Ich bin davon überzeugt, dass es für Neoplan ein Segen war, dass sich MAN für das Unternehmen Neoplan interessiert hat. Neoplan war damals, betriebswirtschaftlich gesehen, nicht mehr lebensfähig. Die Größe, das Entwicklungspotenzial, der lange Atem von MAN haben in den letzten Jahren vieles möglich gemacht“, sagt Hans-Joachim Pilz. Er meint damit zum Beispiel den neuen Starliner, den die Chinesen so gut fanden, dass sie ihn noch vor seiner Patentierung über Nacht kopierten. Auch die Erfolgsgeschichte des Cityliners wurde fortgeschrieben. MAN hat sich zu diesen Premiumfahrzeugen bekannt.
Den Prozess des Zusammenwachsens von MAN und Neoplan bezeichnet Hans-Joachim Pilz im Nachhinein als einen Kraftakt, der von vielen unterschätzt wurde. „Da prallten zwei Kulturen aufeinander. Da die einen, die neue Produkte auch schnell mal aus der Hüfte schossen, und dort die anderen, für die die Bilanz des Unternehmens das Maß aller Dinge ist.“ Damit bei dieser Konstellation nicht unnötige Reibung entsteht, bedarf es Leute mit Dämpfungspotenzial. Hans-Joachim Pilz ist so einer. Bevor er seinen Gedanken freien Lauf lässt, überprüft er genau, welche Wirkung diese haben könnten.  Sein Credo: „Wer mit zwanzig Worten sagt, was man auch mit zehn Worten sagen kann, ist auch zu allen anderen Schlechtigkeiten bereit.“ Kurzum: Nicht so viel schwafeln, auf den Punkt kommen.
Eher Chancendenker als Bedenkenträger sei er, bescheinigen ihm Kollegen. Für Hans-Joachim Pilz gab es in dieser Stunde Null des Jahres 2000 kein Zögern: Loyalität vor 2000, Loyalität nach 2000. Und so wuchs er in seine neue Rolle hinein: vom Marketing-Chef an die Spitze des Busvertriebs bei MAN. Als Mann des Übergangs galt es für ihn an vorderster Front, die Fenster in die Zukunft aufstoßen, anderen Sicherheit und Halt  mit eigener Haltung zu geben. Trotz vieler Umstrukturierungen, die auch mit Enttäuschungen und Rückschlägen verbunden waren, kam es in dieser Zeit darauf an, auf dem Weg durch das unbekannte Gelände der Unternehmensfusion MAN/Neoplan den Zug zum Tor nicht zu verlieren. Doch als ehemaliger Handball-Bundesligaspieler (1969 bis 1974) vom SV Möhringen hatte Hans-Joachim Pilz schließlich gelernt, wie man den Ball auch aus spitzestem Winkel noch rein bekommt. Heute sind seine Tore die steigenden Zahlen im Verkauf von Bussen. Die Kernkompetenz Bus im MAN-Konzern braucht Bodenhaftung. „Das Jahr 2008 werden wir wieder mit positiven Zahlen abschließen,“ so Hans-Joachim Pilz. Er ist Geschäftsführer Vertrieb Bus der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH. Insgesamt 5.500 Mitarbeiter zählt dieser Bereich, den er gemeinsam mit zwei weiteren Geschäftsführern, Lkw und Controlling, steuert. 30.000 Lkw und Busse werden jährlich verkauft. Um dieses Ziel auch 2009 zu erreichen, wurde jetzt die Verkaufsmannschaft gestrafft. Busverkäufer bieten in 16 Centern in Deutschland die Marken MAN und Neoplan nun aus einer Hand an. „Für den Kunden ein Vorteil, zum einen beim Einkauf, zum anderen beim Service,“ resümiert der gelernte Schwabe, mit Wurzeln in Bad Cannstatt. Seine Wurzeln übrigens, das sei auch mal angemerkt, bleiben in Stuttgart. Hier sind Ehefrau Karin und Tochter Melanie zu Hause. Hier lockt das Grün des Golfrasens und hier wartet auch der Stammtisch auf den Bruder aus München.
Täglich erreichen Hans-Joachim Pilz in seinem Münchner Büro Mails und Anrufe von Kunden. Das ist ihm wichtig: Wissen, was läuft. Der Buskunde von heute ist ein anderer als vor 30 Jahren. „Nicht mehr so technikverliebt. Wesentlich betriebswirtschaftlich orientierter als die Generation der Väter“, so Hans-Joachim Pilz. Auch im großen Konzern sei es ratsam, immer mal wieder auf dem Stuhl des Kunden zu sitzen.
Und so freut er sich schon auf das Jahr 2009, wenn im Spätherbst das Markenforum Neoplan vor seiner Tür in München in der Dachauer Straße eröffnet wird: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass dort dann die nächste Neoplan Autobus-Ausstellung (NAA) stattfindet“, wünscht sich der Vertriebschef. Denn wie kein Zweiter weiß der ehemalige „Bosch-Stift“ (Pilz über Pilz) und spätere MAN-Busvertriebschef, dass Busverkauf auch von einer emotionalen Komponente getragen wird. Die NAA soll dabei nicht zur Nostalgie-Party verkommen, sondern Brücke in die Zukunft sein. „Dennoch, auch Traditionen werden in den Markenforen gepflegt“, sinniert  Hans-Joachim Pilz und fügt mit der Weisheit des Endfünfzigers philosophisch hinzu: „Für MAN und Neoplan gilt schließlich auch, was für das Leben generell gilt: Der heutige Tag ist das Resultat des gestrigen.“ (jw)