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7.2.2012 : 6:46 : +0100

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2008 Juni - Jürgen Lammert

Jürgen Lammert - Geschäftsführer von Bus-Partner

Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Juni 2008, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Jürgen Lammert, Geschäftsführer von Bus-Partner.

 

Jürgen Lammert

Der Paketreiseveranstalter Bus-Partner aus Dortmund wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Jürgen Lammert (62), der Gründer und Geschäftsführer des Paketers, kann auch das Geburtsdatum genau nennen: „1. Juni 1988.“ Dieses Datum kennt er nicht nur deshalb so gut, weil er als gelernter Kaufmann ein Faible für den Umgang mit Zahlen hat, sondern weil dieses Datum wie kaum ein anderes sein Leben bestimmt hat. 1960 ging Jürgen Lammert  bei einem großen Busreiseveranstalter im Ruhrgebiet in die Lehre. Reiseverkehrskaufmann hieß das Ausbildungsziel. „Wir waren einer der ersten Busbetriebe“, erinnert sich Jürgen Lammert mit Stolz, „der Autobusse mit WC und Küche hatte. Das war damals eine Sensation.“ Die Arbeit gefiel ihm und so blieb er, mit Unterbrechung der Bundeswehrzeit, 14 Jahre im Unternehmen. In dieser Zeit hatte er sich das nötige Rüstzeug erworben, um eine neue Herausforderung annehmen zu könne

Touristikleiter bei DGB-Reisen Dortmund

1974 wurde Jürgen Lammert Touristikleiter und später Geschäftsleiter bei DGB-Reisen in Dortmund. Die ganze Palette des Reisespektrums galt es zu managen: Pkw-Reisen, Bus-, Flug- und Schiffsreisen. „Die Zahlen gingen nach oben, der Laden lief“, sagt Jürgen Lammert. Der eingetragene Verein durfte ohnehin keine Gewinne erzielen. Alles hätte die nächsten Jahre noch so weiterlaufen können wie bisher. Jürgen Lammert hatte im Alter von 40 Jahren sein Karriereziel  erreicht. Doch dann kam die berühmte Schicksalsfrage: Soll das schon alles gewesen sein im Leben? Natürlich nicht. Da er als Reiseverkehrskaufmann gut auf der touristischen Klaviatur zu spielen wusste, entschied er sich 1988, das weiche Bett des Gewerkschaftsbundes zu verlassen und sich den rauen Wind des Reisemarktes um die Nase wehen zu lassen. „Ich gründete gleichzeitig drei Firmen: ein ganz  normales Reisebüro, einen Busreiseveranstalter ohne eigene Autobusse und einen Paketer“, erinnert sich Jürgen Lammert und räumt ein, dass das ein sehr dickes Paket war, das er da geschultert hatte.

RDA-Workshop 1988: Nerven lagen blank

Die Last drückte ihn in den nächsten Jahren schon mächtig. Frohen Mutes fuhr der Jungunternehmer dann im August 1988 zum RDA-Workshop nach Köln, wo man ihn bisher, er kam ja bis dato immer als Einkäufer für DGB-Reisen, gern den roten Teppich ausrollte. Doch nun hatte er die Front gewechselt, stand mit einem schönen Katalog an einem schönen Stand und war dennoch nach drei Tagen so traurig wie noch nie in seinem Leben. Höchstens zehn Kunden kamen, die Nerven lagen blank. „Einer der ganz großen Paketer ging an meinem Stand vorbei, registrierte mich kaum. Doch sein Blick sagte alles: Was will der denn hier? Im nächsten Jahr ist der nicht mehr dabei“, so ist es im Gedächtnis von Jürgen Lammert gespeichert. Doch als durchlaufender Posten wollte er nicht in die Geschichte der Bustouristik eingehen. Und so blies er zum Angriff. Er besorgte sich Busdressen, verschickte den schmucken Katalog, schrieb Mailings. Mit einem Mal nahm die Sache Fahrt auf. Auf den Tagungen der Landesverbände LBO, WBO und NWO lernte er viele seiner späteren Kunden persönlich kennen. Die Zeichen stellten sich allmählich auf Wachstum für den Angebots-Generalisten oder, wie Jürgen Lammert sagt, „Vollsortimenter“. Heute gehören zu seinem Dortmunder Büro 17 Mitarbeiter, 1 000 Gruppenreisen verkauft Bus-Partner jährlich und erzielt damit einen Umsatz von 6 Millionen Euro. Vieles, so resümiert Jürgen Lammert, habe sich in den letzten 20 Jahren geändert. Das Geschäft sei schwieriger geworden: „Wenn früher fünf Busunternehmer einkauft haben, dann kommt heute einer, der für fünf einkauft. Kooperationen und Fusionen bestimmen den Markt: Eurostar, P.I.T., Bus-Team, Schmetterling ... Deswegen sage ich, der Kuchen ist kleiner geworden.“  Dennoch, Jürgen Lammert würde sich wohl auch heute wieder für diesen Weg entscheiden: „Ich bin Touristiker. Ich kann nichts anderes. Kalkulationen machen mir Spaß. Es freut mich, wenn die Kunden wiederkommen. Wenn am Ende alles passt, motiviert das ungemein.“ Zum Jubiläum gibt es im Katalog 2008 (auf 290 Seiten!) bei speziellen Geburtstagsreisen mehrere Zusatzleistungen gratis. Bei Italienreisen, sozusagen die Paradestrecke des Vollsortimenters, kann sich der Busreiseveranstalter über ein Paket mit erlesenen italienischen Weinen freuen. Ganz stark in diesem Jahr bei Bus-Partner: Rumänien. Eine Informationsreise im April in diese Destination hat das Geschäft noch einmal richtig angekurbelt.

Kein Spiel ohne den zwölften Mann

Zu den Spuren, die Jürgen Lammert in der Branche gezogen hat, gehört auch der Bussonntag. Anfangs als „noch eine weitere Messe“ belächelt, hat sich der alljährliche Treff im Herbst mittlerweile zu einem festen Datum im Eventkalender der Bustouristik entwickelt. Ja und dann gibt es da noch ein ganz spezielles Busreiseziel, das Jürgen Lammert persönlich am Herzen liegt. Es befindet sich in Dortmund und ist mit dem Linienbus zu erreichen: der Signal Iduna Park, das größte Fußballstadion Deutschlands, früher Westfalenstadion, doch damals wie heute Sitz des BVB. Hier ist Jürgen Lammert bei jedem Heimspiel von Borussia  Dortmund zu finden: „Egal ob der Verein oben oder unten steht, auf- oder absteigt, Meister wird oder aus dem Pokal fliegt.“ Hier hört man den gewissenhaften Kaufmann Jürgen Lammert auch mal ganz laut schreien. Hier schätzt er nach dem Spiel ein gepflegtes Glas Wein in gemütlicher Runde mit Anhängern des Vereins. Na dann, sehr zum Wohle, 20 Jahre Bus-Partner! (jw)