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2008 August - Karin M. Kohls
Karin M. Kohls - Geschäftsführerin RDA Workshop
Seit Januar 1993 stellt der Bus Blickpunkt jeden Monat den "Manager des Monats" vor. Es sind Leute, die direkt oder indirekt mit der Busbranche in Verbindung stehen, mit Ideen und Innovationen Akzente setzen und dafür sorgen, dass das Image der Bustouristik steigt und die Zahl der Busreisenden immer größer wird. Der Manager des Monats Mai 2008, so die Wahl des Bus Blickpunkt, heißt Karin M. Kohls, Geschäftsführerin RDA Workshop.

- Karin M. Kohls und Ehemann Bernd
In ihrem Büro waren Felix und Phillip noch nie. Warum auch. Am Arbeitsplatz von Karin M. Kohls – M wie Margret – gibt es nicht viel zu sehen, was einen fünf- und einen achtjährigen Enkel begeistert. Allenfalls die gläserne Bonbonniere auf dem Besprechungstisch oder die Omnibus-Miniaturen in der Schrankwand. Nein, das Äußere liefert so gut wie keinen Hinweis, dass hier Dampf gemacht wird, Jahr für Jahr über zehn Monate hinweg, von Anfang November bis Ende August. Dass es hier gelegentlich hektischer zugeht als auf der Straße vier Meter unterhalb. Dabei zählt der Hohenzollernring zu den Schlagadern im Kölner Verkehrsgewusel.
Mahagonibraunes Mobiliar quer zur Fensterfront, Lichteinfall von links, ein paar Grünpflanzen, weiße Glasfasertapete. Das Ambiente nimmt sich sehr funktional aus, fast nüchtern. Nur wenige Details lassen ahnen, wozu das Ganze dient: Bücher, die das Thema Tourismus in vielen Facetten beschreiben. Eine Rarität – die uralte Schreibmaschine auf dem Sideboard.
Messestress verbreitet vor allem das Telefon. Es tönt unentwegt. Aber damit kann die Geschäftsführerin der RDA Workshop Touristik-Service GmbH gut leben. Ja, der direkte Draht ist ihr heilig; sie will ohne Vorzimmer erreichbar sein. Kein Wunder, dass sie jeden kennt und jeder sie. Neudeutsch, sie ist gut vernetzt. Ein Faktor, der entscheidend geholfen hat, das Tochterunternehmen des RDA souverän im Fahrwasser zu halten. Margret Kohls ist Geschäftsführerin seit deren Gründung im Jahr 1987.
Den Workshop kannte sie schon vorher. Die vierte Auflage, 1978 in Baden bei Wien, hat sie mit- und die Messen danach zunehmend eigenständig organisiert. Da sammelten sich frühzeitig Erfahrungen und Episoden an. Amüsiert erzählt sie, wie 1980 ein unerwarteter Wachstumssprung das Foyer des Willinger Sauerland Stern beinahe bersten ließ. Nachdenklich, wie betroffen 1984 der Projektleiter der Münchner Olympiahalle schien, als der Umzug nach Köln publik wurde: „Das tat ihm menschlich weh, und ich kann’s nachfühlen, denn in den vier Jahren dort ist der Workshop zur Marke geworden“.
Szenenwechsel in die Vita. 1944, Varnsdorf in Tschechien. Dort, unweit der Zittauer Berge, kommt die Rheinländerin Karin (amtlicher Vorname) Margret (so nennt sie jeder, der sie duzt) Bous (ab 1965: Kohls) zur Welt. An Nikolaus, ein gutes Omen in widriger Zeit, glaubte ihre Mutter. Nur, eine Rheinländerin aus dem sächsisch-tschechischen Grenzland, wie passt das zusammen? Der Geburtsort ergab sich willkürlich: Im Spätherbst ’44 wurde die Mama nach Osten evakuiert. Dem folgte Anfang ’45 die Flucht zurück nach Leverkusen, dem familiären Fixpunkt, von da an in dritter Generation. Dort wuchs Fräulein Bous auf, und dort lebt auch Frau Kohls, der – unfreiwillig – in die Wiege gelegt wurde, dass Reisen ihre Lebensgrundlage ist.
Dabei ließ der weitere Weg alles andere erwarten. „Dat Kle’n“ drückte im Stadtteil Küppersteg die Schulbank, absolvierte bei Bayer die kaufmännische Ausbildung, war im Anschluss ebenda beschäftigt, verguckte sich in einen jungen Mann namens Bernd, den sie (nach geziemender Frist) ehelichte, wurde zweifache Mutter – 1968, 1972 – und widmete sich fortan ihrem Erziehungsauftrag und dem Haushaltsmanagement. Klingt eher geordnet als aufregend, oder? Doch nach achtjähriger Mutterpause beschloss Hausfrau Kohls, ins Erwerbsleben zurückzukehren. Josef Grein, der vor-vorherige RDA-Präsident, stellte sie 1976 ein. Zunächst stundenweise, dann halb- und schließlich ganztags. Keiner weiß genau, ob die beiden sich gesucht hatten oder der Zufall sie zusammenbrachte. Egal, sie fanden sich – der Familienpolitiker (Grein) und der Familienmensch (Kohls). Nicht dass sie immer gleicher Meinung waren, aber in einer Hinsicht personifizierten sie das Dream-Team: Die Art, Mitglieder anzusprechen, sie zu hegen, entsprach dem Zeitgeist, ließ die Beitrittszahlen anschwellen.
Genug Geschichte; die Mar-Gretchenfrage heißt, womit punktet die Managerin des Monats 08/08 denn aktuell? Die Antwort fällt leicht (viele gute Eigenschaften) und trotzdem schwer (zu viele, um alle aufzulisten). Bleibt als Kompromiss, lediglich die Trumpfkarten auszuspielen: Arbeitsfreude, Einsatzbereitschaft, Entscheidungsmut, Ideenreichtum, Improvisationskunst, Konsensfähigkeit, Motivationsstärke, Neugier (gesunde), Personalführung, Präzision, Zielstrebigkeit, der bewusste Umgang mit Erfahrung, sich mit dem Erreichten nie ganz zufrieden geben…
Nicht von schlechten Eltern, oder? Dazu kommt das Kreuz-As: Loyalität! Wenn’s um Verband und Workshop geht, hält die Titelträgerin die Fahne hoch – eisern, aus Prinzip. So stiftet sie Identität nach außen, und sorgt intern für Rückhalt, von oben nach unten, von unten nach oben. Norbert Grein, Chef auf der RDA-Brücke über 18 Jahre hinweg, hat dem Stehvermögen sogar generationsübergreifend Respekt gezollt: „Mein Vater hat einmal gesagt, Frau Kohls steht noch zu dir, auch wenn ihr schon die Faust weh tut, die sie in der Tasche macht. Wohl wahr, so ist sie.“
Obwohl die Workshop-Managerin in den Tagen der Kölner Messe wirklich genug um die Ohren hat, ist sie immer ansprechbar und freundlich. Sie nimmt sich die Zeit, anderen zuzuhören. Jeder spürt, sie geht auf dich ein, sie antwortet nicht mit leeren Worten, sie will helfen, gibt Rat, freut sich mit, fühlt mit. Ihr Genre verbreitet Wärme und hilft, Knoten zu entwirren. Aussteller sind plötzlich überzeugt, dass ein attraktives Angebot wichtiger ist als der Platz an der Rolltreppe. Mitarbeitern wachsen Flügel, obwohl sie eben noch meinten, in Arbeit zu ersticken. Wundert es da, dass, ohne zu murren, ihre Familie anrückt, um den Personalengpass während der Messe abzufedern. Ach ja, Felix und Phillip – sicherlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie im Büro aufkreuzen und über die Bonbonniere herfallen.
Michael Fleischhauer
