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7.2.2012 : 6:54 : +0100

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2007 November - Hans-Wilhelm Kohlmeier

Hans-Wilhelm Kohlmeier - 38 Jahre für Mercedes-Benz / Erster Verkauf ein O 302

Hans-Wilhelm Kohlmeier ist Omnibusverkäufer mit Leib und Seele. Er arbeitet jetzt seit 38 Jahren "für den Stern". Damit ist natürlich die Bussparte der Daimler AG gemeint, bei der Kohlmeier im Jahre 1977 im Alter von 32 Jahren als Omnibus-Nachwuchsverkäufer den Grundstein zu einer Karriere legte, die ihn 1991 zum Verkaufsleiter machte, zuerst in Berlin, dann in Frankfurt, wo Kohlmeier heute - zuständig für die Region Mitte - sein Büro im Omnibus-Servicecenter in der Schlitzer Straße hat.

Etwa 8.000 Busse hat Hans-Wilhelm Kohlmeier in seiner Zeit bei Mercedes-Benz verkauft, schätzt er. 5.000 neue Fahrzeuge als Verkaufsleiter, und etwa 3.000 Busse in seiner Zeit im Omnibus-Gebrauchtwagen-Center. Er kann sich sogar noch an den ersten Mercedes-Bus erinnern, den er - damals noch beim Mercedes-Benz Vertragshändler Patberg in Osnabrück - an den Mann, in diesem Fall aber eher an die Frau gebracht hat. Es war ein Mercedes-Benz O 302 13 R ßH mit 192 PS und 48 Sitzen. Kunde war der Omnibusunternehmer Budde in Ladbergen, ein Unternehmen, das es heute noch gibt. "Herr Kohlmeier, Herr Kohlmeier", habe Frau Budde damals gesagt, "das Auto ist aber sehr teuer", und er habe geantwortet: "Dafür bekommen Sie aber ein sehr schönes Auto." So wechselte der O 302 seinerzeit für 150.000 Mark den Besitzer und Hans-Wilhelm Kohlmeier hatte seinen ersten Bus verkauft und war somit ein "gestandener" Omnibusverkäufer.

Dabei hätte der Junge etwas ganz anderes werden sollen. Wäre es nach dem Vater gegangen, wäre Hans-Wilhelm Kohlmeier in Omnibussen allenfalls gefahren. Verkauft hätte er gewiss keine. Denn der Vater war in leitender Funktion in der Verwaltung im Bergbau beschäftigt und sah die Zukunft seiner beiden Söhne ebenfalls in diesem Metier. So lernte der junge Hans-Wilhelm Kohlmeier in einem großen mittelständischen Duisburger Stahlbau-Unternehmen den Beruf des Industriekaufmanns und arbeitete danach als Angestellter in diesem Unternehmen weiter - bis er 18 Jahre alt war. "Dann habe ich mich ins Automobilgeschäft gekniet", erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Erster Arbeitgeber in diesem neuen Metier war ein Volkswagenhändler in Duisburg. "Von der Pike auf" habe er dort dieses Geschäft erlernt, vom Innendienst über das Marketing, bis er schließlich 1966 in den Verkauf gegangen ist. Warum? "Ich hatte das Gefühl, dass ich an der Stelle richtig aufgehoben bin." Und dann, nach einem Nachwuchsverkäuferseminar bei Volkswagen in Wolfsburg, kam tatsächlich der erste Kunde, und Hans-Wilhelm Kohlmeiers Zeit als Verkäufer war gekommen - wenn der Anfang auch alles andere als vielversprechend war. Ein junger Mann kam und wollte eine Probefahrt mit einem VW 1200 A machen. Kohlmeier gab dem Interessenten die Autoschlüssel zu einer Probefahrt und wartete gespannt auf die Rückkehr seines vielleicht ersten Vertragsabschlusses im Autogeschäft. Der junge Mann kam dann auch, allerdings ohne Auto. Das hatte er an einem hohen Bordstein fast zu Schrott gefahren. "Er hat die Kurve nicht gekriegt", erinnert sich Kohlmeier an dieses "dramatische Erlebnis" und lacht.

ßber eine Position im Verkauf von VW Transportern - auch den legendären Bully - kam Kohlmeier zu den Lastwagen und Nutzfahrzeugen und arbeitete in der Hanomag-Henschel Generalvertretung in Oberhausen, bis Daimler-Benz das Unternehmen Anfang der siebziger Jahre übernahm und Hans-Wilhelm Kohlmeier die Mercedes-Vertretung Patberg in Osnabrück verstärkte und dort ins Busgeschäft kam.

1977, mit 32 Jahren, bewarb sich Kohlmeier dann bei Mercedes-Benz in Stuttgart und wurde dort Omnibus-Nachwuchsverkäufer. "Das war zu dieser Zeit etwas Besonderes." Er durchlief informative und lehrreiche Stationen im Werk Mannheim und den Niederlassungen in Bremen und Freiburg, ehe er zum damals neu eröffneten Omnibus-Gebrauchtfahrzeug-Centrum nach Frankfurt kam, wo er bis Ende 1989 Gebrauchtfahrzeuge im Inland und schwerpunktmäßig ins osteuropäische Ausland verkaufte, hauptsächlich nach Polen und Bulgarien. In dieser Zeit knüpfte Kohlmeier auch erste Kontakte in die DDR, und als die Mauer fiel und die deutsche Einheit so schnell Wirklichkeit wurden, wie es kaum jemand erwartet hatte, wurde Hans-Wilhelm Kohlmeier von Reinhold Kiel, Vertriebschef Mercedes Omnibusse, und Hans-Jürgen Johnscher, Vertriebschef Deutschland, beauftragt, in der ehemaligen DDR einen Mercedes-Benz-Omnibusvertrieb aufzubauen. "Es gab dort ja unheimlichen Bedarf an Omnibussen im Reise- wie auch im Linienverkehr." An seine ersten Kunden kann sich Kohlmeier noch gut erinnern. Die Firma Vetter in Salzfurtkapelle zum Beispiel, oder die Firma Behrendt in Lehnin. Beides Omnibusunternehmer, die auch in der ehemaligen DDR ihre Selbstständigkeit erhalten hatten. Bis 1996 war Kohlmeier als Verkaufsleiter in den neuen Bundesländern in Sachen Omnibus unterwegs, dann wechselte er in gleicher Position für die Region Mitte wieder zurück nach Frankfurt.

Dort schließt sich demnächst auch der Kreis, denn Hans-Wilhelm Kohlmeier geht zum 31. 12. 2007 mit 62 Jahren in den Ruhestand. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge", wie er selbst sagt. Die "große Omnibusfamilie" sei ihm schon sehr ans Herz gewachsen, weshalb der Abschied gewiss nicht leicht fallen wird. Dafür will er ab Januar mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und seinen Hobbys etwas intensiver als bisher nachgehen. Er will "endlich mal wieder etwas mehr Sport machen", womit hauptsächlich Tennis gemeint ist, sich weiterhin in der Vereinsarbeit seines Clubs engagieren und ohne Termindruck einer weiteren Leidenschaft frönen: Dem Modelleisenbahnbau auf der Neun-Millimeter N-Spur.